Digitale Technologien

Projekt „PARADIES“

Digitale Technologien – was haben sie mit Gesundheit, sozialer Nachbarschaft und Klimawandelanpassung zu tun?

Die zunehmende Digitalisierung eröffnet vielfältige Möglichkeiten, gesellschaftliche Herausforderungen aktiv anzugehen. Im Forschungsprojekt PARADIES wurde untersucht, wie digitale Technologien dazu beitragen können, Gesundheit zu fördern, Nachbarschaften zu stärken und die Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen – für ältere Menschen, ihre (pflegenden) Angehörigen sowie für Stakeholder:innen wie Gemeinden oder Vereine, die Angebote für ältere Menschen gestalten.

Im Mittelpunkt standen digitale Lösungen, die

  • körperliche Aktivität und einen gesundheitsfördernden Lebensstil unterstützen
  • soziale Kontakte und gegenseitige Hilfe in der Nachbarschaft stärken
  • die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaveränderungen erhöhen

Digitale Technologien und unterschiedliche Zielgruppen

Digitale Technologien können auf verschiedenen Ebenen zu einer sozial vernetzten, gesundheitsfördernden und klimafitten Nachbarschaft beitragen. Ihr Nutzen unterscheidet sich dabei je nach Zielgruppe.

Ältere Menschen

Digitale Tools fördern soziale Teilhabe, etwa durch Videoanrufe, soziale Netzwerke oder Informationen zu Bewegungs-, Kultur- und Freizeitangeboten. Zudem können sie den Alltag erleichtern, zum Beispiel durch Erinnerungshilfen oder Notrufsysteme. Entscheidend sind eine einfache Bedienung sowie altersgerechte Schulungsangebote.

Angehörige und Pflegende

Für Angehörige und Pflegende bieten digitale Technologien spürbare Entlastung, etwa durch Pflege-Apps, Medikamentenerinnerungen oder Telepflege-Angebote. Austauschplattformen und Online-Selbsthilfegruppen stärken darüber hinaus die emotionale Unterstützung. Voraussetzung sind leicht zugängliche, intuitive und bedürfnisorientierte Lösungen.

Gemeinden

Digitale Lösungen können Verwaltungsprozesse effizienter gestalten und neue Formen der Bürgerbeteiligung ermöglichen. Plattformen für Feedback und Mitgestaltung stoßen zwar auf großes Interesse, erfordern jedoch ausreichende Ressourcen und klare organisatorische Abläufe. Nachhaltig wirksam sind sie nur, wenn sie gut in den Verwaltungsalltag eingebettet sind.

 

 

Wobei können digitale Technologien konkret unterstützen?

Für ältere Menschen, Angehörige und Pflegende

  • Vernetzung und Unterstützung: Austausch, Nachbarschaftshilfe und barrierefreie Angebote (z. B. Social-Media-Gruppen, digitale Newsletter, Zeitpolster, Sozialroutenplaner)
  • Unterhaltung: Freizeit- und Austauschmöglichkeiten über Plattformen und soziale Medien (z. B. Freizeitbuddies Caritas, SeeMore Spiel Seestadt Aspern)
  • Tauschen und Initiieren: Digitale Marktplätze fördern Ressourcenschonung und gemeinschaftliche Aktivitäten (z. B. Smash Graz, fragnebenan)
  • Selbsthilfe, Partizipation und Organisation: Mitbestimmung, Selbsthilfe und koordinierte Zusammenarbeit (z. B. Füreinand Caritas, dicim, Promenz Online-Selbsthilfegruppen)
  • Weiterbildung: Wissensvermittlung und Kompetenzaufbau über Websites, Plattformen und Workshops (z. B. Demenzwiki)

Für Gemeinden und Angehörige

  • Wissensbasis: Erfassung, Sammlung und Speicherung von Daten als Grundlage für Entscheidungen (z. B. Energiemosaik, Open Bike Sensor)
  • Überprüfung und Transparenz: Vergleichswerte, Prognosen und nachvollziehbare Prozessdokumentation (z. B. „Ein guter Tag hat 100 Punkte“, Oase-Karte)
  • Visualisierung: Anschauliche Darstellung komplexer Zusammenhänge (z. B. Shadowmap, Emotionsstadtkarte, Lila4Green)
  • Smart City, Simulation und Sicherheit: Unterstützung nachhaltiger Stadtentwicklung, Simulationen und Sicherheitsaspekte (z. B. CCTV, FreeWalker)
  • Telegesundheit: Digitale Anwendungen zur Unterstützung der medizinischen Versorgung (z. B. ELGA)
Abbildung 1: Befragung von älteren Menschen (Durchschnittsalter 78Jahre) im Rahmen des Forschungsprojektes PARADIES zur Nutzung von digitalen Technologien n= 134

Welche digitalen Tools nutzen ältere Menschen?

Eine empirische Erhebung im Projekt Paradies mit 134 älteren Personen (Durchschnittsalter 78 Jahre) in Wiener Neudorf und Klosterneuburg zeigt: Das Mobiltelefon ist mit Abstand das meistgenutzte digitale Gerät. 76 % der Befragten nutzen regelmäßig ein Handy, 37 % verfügen über einen PC oder Laptop. Smartwatches oder Fitnessuhren sind mit jeweils 7 % wenig verbreitet, andere digitale Technologien spielen kaum eine Rolle (2 %).

Abbildung 2: Befragung von älteren Menschen (Durchschnittsalter 78 Jahre) im Rahmen des Forschungsprojektes PARADIES zu Gründe Nutzung von digitalen Geräten n = 119

Digitale Technologien werden überwiegend zur Kommunikation genutzt (93 %). Weitere Einsatzbereiche sind Orientierung (48 %), Weiterbildung und Lesen (32 %) sowie Gesundheit (12 %).

Ergänzende Unterstützung – kein Ersatz für persönlichen Austausch

Die Ergebnisse aus dem Projekt Paradies machen deutlich: Digitale Technologien können persönliche Begegnungen nicht ersetzen. Ältere Menschen nutzen sie vor allem zur Kommunikation, während Information, Beteiligung und Mitgestaltung bevorzugt über direkten menschlichen Kontakt erfolgen. Für Partizipation und Empowerment sind daher persönliche Ansprache und Austausch zentral; digitale Tools können diesen Prozess sinnvoll ergänzen.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nutzung sind barrierefreie Zugänge, begleitende Schulungen und eine gute organisatorische Einbettung. Auch für Angehörige und Gemeindemitarbeiter:innen ist digitale Medienkompetenz eine Schlüsselqualifikation, um Informationen gezielt zu finden, zu bewerten und anzuwenden. Gemeinden verfügen über großes Potenzial als digitale Schnittstelle zur Bevölkerung, stoßen jedoch häufig auf personelle und organisatorische Grenzen. Um digitale Lösungen wirksam zu machen, braucht es Koordination, kontinuierlichen Dialog und begleitende Evaluation.

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PARADIES ist ein vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur gefördertes Projekt. Die Fördermittel wurden durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) vergeben.