Brände im Amazonas: Wie ist die Lage in den indigenen Schutzgebieten der Klimabündnis-Partner?

Infos zur aktuellen Lage in Brasilien von unseren Partnerorganisationen FOIRN und ISA.

Foto: Earthobservatory NASA

Die Bilder von den Bränden im Amazonas-Regenwald gehen über die ganze Welt. Sie sind schockierend und sie sind mehr als nur ein weiteres Alarmsignal für die Klimakrise. Unsere Partnerorganisationen FOIRN (Dachverband der indigenen Organisationen am Rio Negro) und ISA (Institut für Soziales und Umwelt) mit einem Update zur aktuellen Lage. Die Dramatik bringt unser erfahrener Regenwald-Experte, Hans Kandler, emotional auf den Punkt: „In den letzten 40 Jahren habe ich viel erlebt, aber was jetzt passiert, ist ein Wahnsinn.

Wo brennt es im Amazonas-Regenwald?

Von 20. Juli bis heute gibt es ca. 33.000 Brandherde im brasilianischen Amazonas-Gebiet. 7.368 davon in Naturschutzgebieten und 3.553 in indigenen Schutzgebieten. Damit werden die Lebensgrundlagen der UreinwohnerInnen zerstört, um Zugang zu Bodenschätzen, Holz und Land zu bekommen. Einen alle 24 Stunden aktualisierten Überblick über die Brände liefert das ISA auf dieser digitalen Karte (auf Portugiesisch). 

Legende: die grünen Blätter zeigen indigene Schutzgebiet, die gelben Flammen Brandherde, die innerhalb der letzten 24 Stunden ausgebrochen sind.

Ist das indigene Schutzgebiet der Klimabündnis-Partner betroffen?

Das Schutzgebiet liegt im äußersten Nordwesten Brasiliens. Derzeit ist dieses Gebiet nicht von diesen Bränden betroffen. Unsere brasilianischen Partner sind allerdings aufgrund der Feuer und der derzeitigen politischen Entwicklung sehr beunruhigt, da auch sie von ihren FreundInnen in benachbarten Gebieten des Amazonas diese schrecklichen Bilder übermittelt bekommen haben.

Wie sehr ist „unser“ Schutzgebiet bedroht?

Eine Zahl macht deutlich, wie groß die Gefährdung „unseres“ Schutzgebietes ist: Für das von Klimabündnis-Gemeinden gemeinsam mit unseren indigenen Partnern gesicherte indigene Schutzgebiet gibt es mehr als 450 aufrechte Schürfansuchen auf Bodenschätze. Zur Erinnerung: Das Schutzgebiet umfasst 135.000 km² und ist 1,6 Mal so groß wie Österreich - siehe Karte unten. Aufgrund des Schutzstatus konnten diese Schürfansuchen bisher abgelehnt und verhindert werden.

Präsident Jair Bolsonaro hat allerdings bereits angekündigt, per Verfassungsänderung die Schutzgebiete abschaffen zu wollen. Tausende Indigene, darunter auch VertreterInnen der FOIRN, haben zuletzt in der Hauptstadt Brasilia dagegen demonstriert. Wie wichtig dieser Schutzstatus ist, zeigt auch eine Analyse der bisherigen Brände. Dort, wo bereits der Regenwald gerodet wurde, treten in der Sekundärvegetation und den trockenen Rinderweiden die Feuer einerseits häufiger auf und verbreiten sich andererseits auch schneller.

Indigenes Schutzgebiet am Rio Negro. Grafik: Andreas Strasser, Quelle: FOIRN/ISA

Was sind unsere nächsten Schritte?

Der geplante Mercosur–Freihandelsvertrag zwischen der EU und dem „gemeinsamen Markt Südamerikas“ würde aus unserer Sicht die Rodungen im Amazonas-Regenwald drastisch verstärken. Deshalb üben wir auf EntscheidungsträgerInnen in Österreich und der EU-Ebene Druck aus, diesen Vertrag nicht zu unterzeichnen. Wichtig ist es zudem, dass – ebenso auf politischer Ebene – der Druck auf Präsident Bolsonaro erhöht wird. Gleichzeitig unterstützen wir unsere indigenen Partner weiter, allerdings ohne die lokale Politik zu provozieren. Die Unterstützung von ausländischen Organisationen wird in Brasilien derzeit leider kritisch gesehen und unsere Partner stehen dadurch auch in der Kritik. Dennoch brauchen sie unsere Unterstützung dringender denn je.

Mehr zum Thema

  • Weitere Infos zur Amazonas-Regenwald-Abholzung im Jahr 2019 finden Sie hier.
  • Weitere Infos zur Klimabündnis-Partnerschaft am Rio Negro gibt es hier.
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